Am 24. Juli 1936 sammelten sich auf dem Paseo de Gracia in Barcelona rund zweitausend Freiwillige, dazu Lastwagen, Busse, Taxis und beschlagnahmte Privatautos. Fünf Tage zuvor hatten Arbeiter:innen der Stadt den Militärputsch niedergeschlagen. Nun sollte die Kolonne unter Buenaventura Durruti nach Saragossa fahren, das die Putschisten hielten, und gegen Mittag zog sie unter Jubel und mit dem Lied „A las barricadas“ los.
Werkstatt in León
José Buenaventura Durruti Dumange wurde am 14. Juli 1896 in León geboren, als zweites Kind eines Eisenbahnarbeiters. Mit vierzehn lehnte er das Angebot des Großvaters ab, ihm ein Studium zu bezahlen, und begann 1910 eine Mechanikerlehre. Später arbeitete er für die Nordbahngesellschaft.
Wie sein Vater trat er zunächst der sozialistischen UGT bei. Nach dem Generalstreik vom August 1917, den die Regierung binnen weniger Tage niederschlug, floh er nach Frankreich und lernte dort exilierte Anarchisten kennen. 1919 kehrte er zurück und schloss sich der anarchosyndikalistischen CNT an, der er bis zu seinem Tod angehörte.
„Wir tragen eine neue Welt hier in unseren Herzen.“ Gespräch mit Pierre van Paassen, Toronto Star, 1936 · sinngemäß übersetzt
Los Solidarios
Anfang der 1920er Jahre ließen Unternehmer in Barcelona Gewerkschafter von bezahlten Pistoleros erschießen. Durruti, Francisco Ascaso, Juan García Oliver und andere schlossen sich zur Gruppe „Los Solidarios“ zusammen und schlugen bewaffnet zurück. Geld für Waffen beschafften sie mit Überfällen. Schon 1921 hatte Durruti mit seiner früheren Gruppe Los Justicieros auf der Straße von Bilbao nach Eibar 300.000 Peseten Lohngeld geraubt, und am 1. September 1923 überfiel ein Kommando unter Durruti und Rafael Torres Escartín die Filiale der Bank von Spanien in Gijón und schoss dabei den Filialleiter nieder, er wurde schwer verletzt. Nach dem Mord am CNT-Führer Salvador Seguí 1923 wird der Gruppe die Tötung des Kardinals Juan Soldevila zugeschrieben.
Als Primo de Rivera im selben Jahr die Macht übernahm, ging Durruti ins Ausland und zog mit Ascaso über Kuba, Mexiko und Südamerika zurück nach Frankreich. In Paris wurden beide 1926 wegen eines angeblichen Plans gegen König Alfons XIII. festgenommen, und obwohl Louis Lecoin und Sébastien Faure ihre Freilassung erreichten, folgte die Ausweisung. 1928 versteckten Rudolf Rocker und Erich Mühsam die beiden einige Zeit in Berlin, danach lebten sie bis 1931 mit falschen Papieren in Belgien.
Republik und Revolution
Nach dem Sturz der Monarchie 1931 ging Durruti mit seiner französischen Gefährtin Émilienne Morin nach Barcelona, trat der FAI bei und saß in den folgenden Jahren immer wieder im Gefängnis. 1932 deportierte die Regierung ihn und andere Anarchisten auf dem Schiff „Buenos Aires“, das ihn schließlich auf Fuerteventura absetzte.
Am 19. Juli 1936 kämpfte er mit Ascaso gegen die aufständischen Truppen in Barcelona, und am folgenden Tag fiel Ascaso beim Sturm auf die Kaserne Atarazanas. In Aragón, wohin die Kolonne zog, kollektivierten Bauern und Bäuerinnen Land und Dörfer. Ihr Kriegskomitee schlug die Kolonne ab dem 27. Juli in Bujaraloz auf, doch Saragossa nahm sie nie ein.
Madrid, 19. November
Mitte November 1936 kam Durruti mit etwa 1800 Mann nach Madrid, das Francos Truppen fast erreicht hatten. Am 19. November traf ihn bei der Universitätsstadt, nahe dem Hospital Clínico, eine Kugel in die Brust. Man brachte ihn ins Lazarett der Kolonne im Hotel Ritz, wo er am 20. November gegen vier Uhr früh starb.
Wer geschossen hat, ist ungeklärt. Die offizielle Version sprach von feindlichem Feuer aus dem Clínico, später erzählten Augenzeugen von einem Unfall mit einer Maschinenpistole, und andere vermuteten Mord. Sein Biograf Abel Paz hielt keine der Versionen für ausreichend belegt. Der Leichnam wurde nach Barcelona gebracht, wo eine riesige Menge den Sarg zum Friedhof Montjuïc begleitete.
Auf einen Blick
- Geboren
- 14. Juli 1896 in León
- Gestorben
- 20. November 1936 in Madrid (verwundet am 19. November)
- Beruf
- Mechaniker
- Organisationen
- UGT, ab 1919 CNT, Los Solidarios, FAI
- 1936
- Führer der Kolonne Durruti an der Aragónfront und in Madrid
Selbst lesen
Quellen
- Abel Paz: Durruti in the Spanish Revolution, AK Press / The Anarchist Library
- Raoul Vaneigem: Durruti Buenaventura (1896–1936), Encyclopædia Universalis
- Durruti, Buenaventura, 1896–1936, libcom.org
- Rezension zu Joan Llarch: The Death of Durruti, KSL Bulletin 74–75, Kate Sharpley Library
- Durruti, Buenaventura, Normdaten, Deutsche Biographie