Gegen Herrschaft
Niemand soll über andere bestimmen. Macht, die nicht widerrufbar und begründet ist, wird abgelehnt – im Staat wie im Betrieb.
Eine Idee, die Mut macht
Für vieles, was uns ausweglos erscheint, gibt es längst eine Idee. Oft missverstanden, mehr eine Denkweise als ein politisches Programm. Keine fertige Lösung, aber eine Richtung: weg von Herrschaft, hin zur Freiheit. Vielleicht liegt darin ein Weg. Sie heißt Anarchismus.
Anarchismus heißt nicht Chaos, sondern Ordnung von unten: Menschen, die sich frei zusammenschließen, einander helfen und ihr Leben selbst in die Hand nehmen.
„Warum mir aber in neuster Welt
Anarchie gar so wohl gefällt?
Ein jeder lebt nach seinem Sinn,
Das ist nun also auch mein Gewinn.
Ich laß einem jeden sein Bestreben,
Um auch nach meinem Sinne zu leben."
Johann Wolfgang von Goethe
Die Grundidee
Anarchismus ist der Gedanke, dass Menschen einander auf Augenhöhe begegnen können – ohne Chefs, ohne Bosse, ohne Staat, der über sie bestimmt.
An die Stelle von Befehl und Gehorsam treten freie Vereinbarung, gegenseitige Hilfe und Selbstverwaltung. Entscheidungen werden dort getroffen, wo Menschen von ihnen betroffen sind: gemeinsam, von unten nach oben.
Worauf es aufbaut
Keine starre Lehre, sondern ein paar einfache Überzeugungen über das Zusammenleben.
Niemand soll über andere bestimmen. Macht, die nicht widerrufbar und begründet ist, wird abgelehnt – im Staat wie im Betrieb.
Nicht der Kampf jeder gegen jeden, sondern Zusammenarbeit hat die Menschheit getragen. Solidarität ist Stärke.
Frei zusammengeschlossene Gruppen verwalten sich selbst und verbinden sich föderal – von unten nach oben statt von oben herab.
Regeln gelten, weil wir sie gemeinsam beschließen – nicht weil sie befohlen werden. Wer nicht mitmachen will, darf gehen.
Freiheit für alle heißt: gleiche Würde unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Glaube. Vielfalt ist kein Problem, sondern Reichtum.
Sieh dir an, wie diese Ideen in echten Gesellschaften gelebt wurden.
Zur Geschichte →Keine Träumerei
Klartext
„Anarchie" ist zum Schimpfwort geworden. Höchste Zeit, mit den größten Missverständnissen aufzuräumen.
Das Gegenteil ist gemeint. An-archie kommt aus dem Griechischen und heißt „ohne Herrscher" – nicht „ohne Ordnung". Anarchist:innen wollen eine Ordnung ohne Herrschaft: ausgehandelt, freiwillig, jederzeit veränderbar. Das Chaos entsteht eher dort, wo wenige über viele bestimmen.
Die übergroße Mehrheit setzte und setzt auf Aufklärung, Gewerkschaften, Genossenschaften und gegenseitige Hilfe. Viele bekannte Anarchist:innen – etwa der Österreicher Pierre Ramus – waren überzeugte Antimilitarist:innen und Pazifist:innen.
Es ist bereits geschehen. In Spanien, in der Ukraine, in zahllosen Genossenschaften und Kollektiven haben Millionen Menschen über Jahre selbstverwaltet gelebt und gearbeitet. Nicht perfekt – aber als Beweis, dass es geht.
Viele Wege, ein Ziel
Anarchismus ist kein Dogma, sondern eine lebendige Familie von Ideen.
Selbstverwaltung der Arbeit durch basisdemokratische Gewerkschaften und Räte.
Mehr erfahren → GeschlechtHerrschaftsfreiheit gibt es nicht ohne das Ende patriarchaler Macht.
Mehr erfahren → NaturDie Herrschaft über die Natur und über Menschen haben dieselbe Wurzel.
Mehr erfahren →Köpfe & Herzen
Von Bakunin bis Goldman, von Kropotkin bis zum Wiener Pierre Ramus: Lerne die Menschen kennen, die den Anarchismus geprägt haben.
„Der ärmste Bettler ist reicher als alle Könige, wenn er weiß, was Freiheit ist."
im Geiste der Graswurzelbewegung
Geschichte & Gegenwart



Du bist nicht allein
Anarchismus beginnt im Kleinen: in der Nachbarschaft, im Betrieb, im Alltag. Finde heraus, wie du mitmachen kannst.