Nestor Machno (1888–1934) war der bekannteste Anarchist der russischen Revolution außerhalb der großen Städte: ein armer Bauernsohn aus der Südukraine, der zur Symbolfigur eines der größten anarchistischen Selbstverwaltungsversuche der Geschichte wurde.
Schon als junger Mann wegen anarchistischer Aktivität zu lebenslanger Haft verurteilt, kam er durch die Februarrevolution 1917 frei und kehrte in seine Heimatstadt Huljaipole zurück. Dort begann er, Bäuerinnen und Arbeiter in Räten, Kommunen und freien Genossenschaften zu organisieren.
Im Bürgerkrieg führte er die „Machnowschtschina“, eine bewegliche Partisanenarmee, die zeitweise ein Gebiet mit mehreren Millionen Menschen kontrollierte – und gegen alle Mächte zugleich kämpfte: gegen die deutsch-österreichische Besatzung, gegen die weißen Konterrevolutionäre und schließlich gegen die Bolschewiki, mit denen sie zeitweise verbündet gewesen war.
In den befreiten Zonen wurde versucht, Land, Betriebe und Schulen ohne zentralen Staat zu verwalten – ein konkreter, von Krieg und Not überschatteter Versuch, anarchistische Ideen praktisch zu leben. Nicht alles gelang, aber es war weit mehr als Theorie.
1921 von der Roten Armee militärisch besiegt, floh Machno über Rumänien und Polen nach Paris, wo er verarmt als Hilfsarbeiter und Mechaniker lebte. In seinen letzten Jahren begann er, seine Erinnerungen niederzuschreiben.
„Die russische Revolution in der Ukraine“ ist eine wichtige Primärquelle: Machno schildert aus erster Hand, wie die Bewegung entstand, wie sie organisiert war und wie sie zwischen den Fronten zerrieben wurde. Das Werk blieb unvollendet; weitere Bände erschienen erst nach seinem Tod.
Auf der Zeitleiste dieser Seite ist die Episode als „Freies Gebiet in der Ukraine“ verzeichnet. Machnos Bericht steht bis heute für beides: für die Hoffnung einer herrschaftsfreien Gesellschaft – und für ihre gewaltsame Zerschlagung, auch durch einstige Verbündete.
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